Lexikon

  • Biomasse

    Biomasse

    Biomasse ist pflanzliches Material, das als erneuerbare Energiequelle genutzt werden kann. Zur Biomasse gehören Holz, Raps, Zuckerrohr oder Mais, die eigens für die Energiegewinnung angebaut werden. Zudem auch Hofdünger wie Gülle und Mist, Ernterückstände, Rasenschnitt, Abfälle aus der Lebensmittelindustrie, der Gastronomie und Grüngut aus Haushalten. Holz wird in der Produktion von erneuerbarer Wärme eingesetzt. Biomasse wie Gülle kann in einer Biogasanlage zu Biogas vergoren und mittels Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt oder zu Treibstoff aufbereitet werden. Biotreibstoffe (auch «Agrotreibstoffe») sind dann umstritten, wenn sie die Nahrungsmittel verdrängen. Aus 200 Kilo Mais kann eine Tankfüllung oder eine Tagesnahrung für 400 Menschen hergestellt werden. 20‘000 Menschen sterben täglich an Hunger.

  • Erdgas

    Erdgas

    Erdgas gehört zusammen mit Erdöl und Kohle zu den fossilen Energieträgern. Erdgas ist unsichtbar und explosiv und emittiert bei der Verbrennung das Klimagas CO2. Erdgas wird in der Schweiz als Wärmequelle und in der Mobilität eingesetzt, nicht jedoch in der Stromproduktion. Die bisherigen Erdgasfunde in der Schweiz sind zu gering, um einen wirtschaftlichen Abbau zu rechtfertigen. Nur in Finsterwald (Kanton Luzern) wurde zwischen 1985–1994 vorübergehend Erdgas gefördert. Heute wird Erdgas zu 100 Prozent importiert. Die grössten Reserven liegen in Russland, Iran und Katar. Im Jahr 2010 deckte Erdgas mehr als 12 Prozent des Schweizer Energiebedarfs.

  • Erdöl

    Erdöl

    Erdöl ist mit einem Anteil von 54% der mit Abstand wichtigste Energieträger der Schweiz. Auf Platz zwei folgt Wasserkraft (14%), danach Erdgas (12%). Die wichtigsten Erdölprodukte sind Benzin, Diesel, Flugpetrol und Heizöl. Erdöl setzt bei der Verbrennung das Klimagas CO2 frei und wird in der Schweiz in den Bereichen Wärme und Mobilität eingesetzt, nicht aber in der Stromproduktion. Pro Jahr braucht die Schweiz rund 12 Millionen Tonnen Erdöl. Das entspricht 88 Millionen Fässern pro Jahr, oder 240‘000 Fässern pro Tag. Das entspricht pro Kopf pro Tag 5 Liter Erdöl: die Schweizer konsumieren mehr Erdöl als Milch und sind stark abhängig von Erdölimporten, weil die Schweiz über keine eigenen Erdölquellen verfügt. Die wichtigsten Rohöllieferanten der Schweiz waren 2010 Libyen, Nigeria, Aserbaidschan und Kasachstan. Im Jahr 2010 gaben Endverbraucher in der Schweiz 17 Milliarden Franken (inklusive Fiskalabgaben) für Erdölprodukte aus.

  • Fernwärme

    Fernwärme

    Fernwärme bezeichnet die Zuleitung von Wärme von einer Energiezentrale zum Verbraucher. Weil hauptsächlich erneuerbare Energieträger zum Einsatz kommen und die Abwärme oftmals ein Nebenprodukt ist, hilft Fernwärme den Verbrauch von Erdöl und Gas zu senken. Fernwärme ist daher in der Regel ökologisch und nachhaltig. Die Wärmeenergie, die in Abfallverbrennungsanlagen frei gesetzt wird, lässt sich per Fernwärme zum Heizen von Wohnanlagen, Büros oder Einkaufszentren nutzen: Mit der Abwärme wird Wasser erhitzt, das durch gut isoliert Rohre (Bild) bis in die zu beheizenden Räume geleitet wird. Fernwärme wird bereits seit den sechziger Jahren in der Schweiz genutzt. Das Fernwärmepotential aus Kehrrichtverbrennungsanlagen ist noch nicht ausgeschöpft und könnte zwischen 2010 und 2020 gemäss dem Bundesamt für Energie noch verdoppelt werden.

  • Geothermie

    Geothermie

    Geothermie, auch Erdwärme genannt, bezeichnet die Nutzung der Wärme aus dem Erdinneren. Die in der Erde gespeicherte Energie lässt sich mit Hilfe verschiedener Methoden nutzen: Die bei weitem gängigste ist die Erdwärmesonde, die in Kombination mit Wärmepumpen für die Heizung von Einfamilienhäusern und grossen Gebäuden eingesetzt wird. Erdwärmesonden gehen in Tiefen von 200 bis 400 Meter. Im Jahr 2010 waren rund 170‘000 Wärmepumpen in der Schweiz in Betrieb. Aus Erdwärme kann auch Strom gewonnen werden. Dafür muss in der Schweiz aber in Tiefen von 2'000 bis 5'000 Metern gebohrt werden, um die notwendigen Temperaturen von über 100 Grad zu finden. Momentan wird in der Schweiz noch keine Elektrizität aus geothermischen Quellen produziert. In Basel wurde das Geothermieprojekt (Bild) gestoppt, als es im Dezember 2006 zu einem leichten Erdbeben kam. Die Stadt St. Gallen verfolgt auch ein Geothermieprojekt. Erdwärmeenergie ist sauber, saisonal unabhängig, unerschöpflich und bedarfsgerecht verfügbar.

  • Holz

    Holz

    Holzenergie ist erneuerbar und nach der Wasserkraft eine der wichtigsten Formen der nachhaltigen Energiegewinnung in der Schweiz. Holz erhöht die Versorgungssicherheit, da es im Inland wächst. Holz ist CO2-neutral, weil Bäume bei ihrem Wachstum gleich viel CO2 binden, wie bei ihrer Verbrennung oder Verrottung wieder frei wird. Vom Cheminée bis hin zur modernen Pellet- und Schnitzelheizanlage gibt es verschiedenen Formen des Heizens mit Holz. Wichtig ist, dass die Feinstaub-Grenzwerte nicht überschritten werden. Im Jahr 2010 betrug die Holzenergienutzung in der Schweiz 3,7 Millionen Kubikmeter. Diese Menge kann gemäss Holzenergie Schweiz auf mehr als 7 Millionen Kubikmeter pro Jahr verdoppelt werden, ohne dem Wald zu schaden. Pro Jahr beträgt der Holzzuwachs in den Schweizer Wäldern 10 Millionen Kubikmeter: Holz ist erneuerbar.

  • Kernkraft

    Kernkraft

    Kernenergie wird in der Schweiz seit 1969 zur Stromproduktion eingesetzt. Die Schweiz verfügt über fünf Kernkraftwerke: Beznau 1 (in Betrieb seit 1969), Beznau 2 (1972), Mühleberg (1972), Gösgen (1979) und Leibstadt (1984, Bild). Die Kernkraft deckt rund 40% des Schweizer Strombedarfs. Nach dem Umfall in Fukushima entschieden Bundesrat und Parlament 2011, dass in der Schweiz keine neuen Atomkraftwerke gebaut werden, und die bestehenden schrittweise bis 2034 stillgelegt werden. Das Atomenergiegesetz schreibt vor, dass der radioaktive Abfall grundsätzlich im Inland entsorgt werden muss. Wo das Schweizer Endlager gebaut wird steht noch nicht fest.

  • Kohle

    Kohle

    Kohle dominiert mit einem Anteil von mehr als 40% die globale Stromproduktion (im Bild: Kohlekraftwerk in Hannover, Deutschland). In China beruht 70% der Stromproduktion auf Kohle. Im Schweizer Energiemix hingegen spielt Kohle mit einem Anteil unter 1% keine Rolle mehr. Die Schweiz produziert im Inland keinen Strom aus Kohle. Einige Schweizer Energieunternehmen unterhalten im Ausland Kohlekraftwerke, diese werden aber nicht zum Schweizer Energiemix gezählt. Kohle emittiert bei der Verbrennung das Klimagas CO2.

  • Müll als Energiequelle

    Müll als Energiequelle

    Bei der Verbrennung von Müll in Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) entsteht Abwärme. Diese wird in der Schweiz zum Teil als Energiequelle für die Produktion von erneuerbarem Strom oder erneuerbarer Fernwärme genutzt. Auch Industrieabfälle wie Klärschlamm und Abfälle aus der Papierindustrie werden vor allem in der Zement-, Papier- und der chemischen Industrie energetisch genutzt. Zusammen mit dem Holz und der Wasserkraft zählen Müll und Industrieabfälle in der Schweiz zu den wichtigsten erneuerbaren inländischen Primärenergieträgern: Sie müssen nicht wie Erdöl oder Erdgas importiert werden und entstehen immer wieder. Erneuerbarer Strom aus Kehrichtverbrennungsanlagen hatte in der Schweiz 2010 einen Anteil von 1,4 Prozent am Strom, deutlich mehr als Photovoltaik (unter 1 Prozent) und Windkraft (unter 1 Prozent).

  • Photovoltaik

    Photovoltaik

    Die Sonne schickt jeden Tag riesige Energiemengen in Form von Sonnenstrahlen auf die Erdoberfläche – etwa das 20'000fache des derzeitigen Weltenergiebedarfs. Als Photovoltaik bezeichnet man die Umwandlung des Sonnenlichtes in Strom. Die ersten Solarzellen, preislich noch unerschwinglich, wurden in den 1950er Jahren von der Weltraumfahrt für den Betrieb von Satelliten eingesetzt. Seit 1990 wird die Photovoltaik in der Gesamtenergiestatistik der Schweiz ausgewiesen. Sie wächst von Jahr zu Jahr. Heute sind Solarzellen (Bild) besser und viel billiger und für fast jedermann erschwinglich. Die Photovoltaik darf nicht mit der Solarthermie verwechselt werden. Photovoltaik produziert Strom, Solarthermie warmes Wasser. Beide Formen der Sonnenenergie sind erneuerbar und umweltfreundlich und werden in der Schweiz mit Fördergeldern unterstützt.

  • Solarthermie

    Solarthermie

    Die Sonne schickt täglich mehr Energie als wir brauchen können. Als Solarthermie bezeichnet man die Nutzung der Sonnenenergie, bei der mittels Kollektoren (Bild) die Sonnenstrahlung in Wärme umgewandelt wird. Diese kann zur Warmwasserbereitung oder zur Heizungsunterstützung eingesetzt werden. Die Solarthermie darf nicht mit der Photovoltaik verwechselt werden. Solarthermie produziert warmes Wasser, Photovoltaik Strom. Beide Formen der Sonnenenergie sind erneuerbar und umweltfreundlich. Die Installation einer Solaranlage wird in der Schweiz in einigen Gemeinden steuerlich oder auch mit Fördergeldern unterstützt.

  • Wärmepumpen

    Wärmepumpen

    Luft, Erde, Grund-, See- und Flusswasser speichern die Energie der Sonne. Diese Umgebungsenergie kann mit Hilfe von Wärmepumpen zum Heizen genutzt werden. Wärmepumpen verbrauchen zwar auch Energie, nutzen dafür aber ein Mehrfaches an Umgebungsenergie. Wärmepumpen benötigen einen elektrischen Antrieb der je nach System ¼ der Energie verbraucht, ¾ der Energie werden erneuerbar aus der Umwelt gewonnen. Wenn der Strom für den Motor aus erneuerbaren Quellen wie Photovoltaik kommt, sind Wärmepumpen 100 Prozent erneuerbar. Wärmepumpen verdrängen Erdölheizungen. 1990 gab es 34‘000 Wärmepumpen in der Schweiz, im Jahr 2000 waren es 66‘000, im Jahr 2010 dann 176‘000.

  • Wasserkraft

    Wasserkraft

    Die Schweiz ist das Wasserschloss Europas und nutzt diese natürliche Ressource auch intensiv zur Erzeugung von erneuerbarer Energie. Dies erfolgt einerseits in Grosswasserkraftwerken, die durch ihre eindrücklichen Staudämme auffallen. Andererseits wird die Wasserkraft aber auch in Kleinwasserkraftwerken genutzt. Diese haben den Vorteil, dass die Umwelteinflüsse lokal begrenzt sind. Die dezentral erzeugte Energie entlastet zudem die Übertragungsnetze. Rund 10 Prozent der gesamten Schweizer Wasserkraftproduktion wird heute durch Kleinwasserkraftwerke geliefert. Kleinwasserkraft kann bereits ab einer Fallhöhe von zwei bis drei Metern genutzt werden. Die Wasserkraft ist die wichtigste erneuerbare Energiequelle der Schweiz. 2010 stammten 56 Prozent des Stroms aus erneuerbarer Wasserkraft.

  • Windenergie

    Windenergie

    Windenergie gehört zusammen mit Wasserkraft, Sonnenenergie, Geothermie und Biomasse zu den erneuerbaren Energien. Im Jahr 2010 hat sich die Nutzung der Windenergie in der Schweiz mehr als verdoppelt. Die Schweiz besitzt geeignete Standorte für Windparks, die stärksten Winde wehen auf den Höhen des Jura, in den Alpentälern, auf Alpenpässen und im Rohnetal. Windenergie hat nicht nur Freunde. Die Planung von Windparks wird oft durch Einsprachen und Rekurse verzögert, da die Rotoren Lärm verursachen, in der Landschaft sichtbar sind und eine Gefahr für Zugvögel und Fledermäuse darstellen können. Trotzdem hofft das Bundesamt für Energie, dass von 2010 bis 2030 die Windenergie in der Schweiz um den Faktor 20 erhöht werden kann. Windenergie soll 2030 rund 2 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs decken könnten.